Buchausschnitt: Das Wesentliche in Kürze

Aus dem Buch „GANZ LEBENDIG SEIN“

Kapitel „Das Wesentliche in Kürze“

In diesem Kapitel fassen wir so kurz wie möglich zusammen, was uns besonders wichtig ist – unter anderem für diejenigen Leser, die nur mal schnell hereinschauen, durchblättern und wissen wollen, ob es sich für sie lohnt, das Ganze zu lesen.

Wir möchten darauf hinweisen, dass dieses Buch kein Selbsthilfebuch und kein Ratgeber im üblichen Sinne ist. Du hältst hier keine Anleitung in der Hand, wie du in 30 Tagen glücklich, gesund und erfolgreich werden kannst. Dies ist ein Grundlagenbuch, dass dich anregen soll, dein Weltbild zu überdenken.
Wir sagen nicht, was du tun oder lassen sollst, damit anschließend alle deine Probleme gelöst sind. Wenn du auf der Suche nach dem richtigen Mittel, der besten Technik oder der wirksamsten Methode bist, die dir ermöglicht, ein perfektes Leben zu führen, dann lies auf keinen Fall dieses Buch! Gib es in diesem Fall lieber einem anderen Menschen, der Interesse daran hat, ehrlich sich selbst zu erforschen und zu erkennen.
Wenn du aber von dem verfügbaren Wissen, den unzähligen Angeboten und Möglichkeiten auf dem Marktplatz des Lebens – insbesondere im Bereich der Medizin, der Gesundheit und der alternativen Heilmethoden – verwirrt bist und Orientierung brauchst, dann könnte dieses Buch genau richtig für dich sein. Denn wir bieten dir hier eine Landkarte, die du nutzen kannst, um dir einen Überblick, eine Vorstellung und ein grundlegendes Verständnis vom Leben zu erarbeiten. Diese Landkarte eignet sich gleichzeitig als Reiseführer und Wegweiser. Für jeden, der die Karte zu lesen gelernt hat, hält sie Antworten auf alle Fragen des Lebens bereit. Mit diesen Antworten wirst du wissen, was zu tun ist, aber du musst es immer noch selbst tun!

1. Ein Konzept ist immer nur ein Konzept

Auch die 9-Felder-Matrix ist nur ein Konzept und damit ein von Menschen gemachter Versuch, die Wirklichkeit zu erfassen, zu beschreiben und zu verstehen. Ein Konzept ist nie die Wirklichkeit an sich. Wir sollten es daher auch nicht mit ihr verwechseln, sondern uns immer wieder daran erinnern, dass alle unsere Konzepte – seien es politische, wirtschaftliche, soziale oder religiöse Konzepte – begrenzt und nur eingeschränkt gültig sind. Sie mögen uns an vielen Stellen hilfreich sein, aber solange wir Menschen uns als höchste Instanz dafür ansehen, was Recht und Unrecht ist und solange wir weiterhin so handeln, dass Natur, Tiere, Pflanzen und sogar wir selbst dauerhaft Schaden nehmen, wird uns das beste Konzept nicht davon abhalten, in absehbarer Zeit alles Lebendige auszurotten.
Wir wissen zwar, wie die Welt zu retten wäre, aber wir handeln nicht danach. Wie sonst könnte man erklären, dass ein Buch wie „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari zwar seit seinem Erscheinen im Jahr 2011 ein Bestseller ist, aber weder einen hörbaren Aufschrei unter den Lesern verursacht noch irgendeine sichtbare Veränderung hervorgerufen hat. Eigentlich sollten jedem, der dieses Buch gelesen und verstanden hat, die Augen aufgehen und er müsste unweigerlich sein Leben neu ausrichten. Doch wir sind alle so fest und kuschelweich in unseren Weltbildern, Konzepten und Systemen eingebettet, dass uns da nichts herausholen kann. Wir lesen solche Bücher und machen weiter wie bisher. Wir amüsieren uns auch prächtig, wenn Kabarettisten wie Hagen Rether uns witzig vor Augen führen, welche absurden Dinge wir in allen Lebensbereichen von Politik bis Gesundheit tagtäglich tun – und machen trotzdem weiter wie bisher. Im Internet sind Unmengen an wertvollem Wissen der Menschheit verfügbar – und immer noch machen wir weiter wie bisher.
Warum handeln wir wider besseres Wissen?
Die Antwort ist eigentlich banal: Weil wir emotional nicht dabei sind. Wir definieren uns über unser Denken, über Prinzipien, Regeln, Vorschriften und das, was von unseren Mitmenschen erwünscht ist oder geächtet wird. Wir betrachten unsere Emotionen als störendes Beiwerk anstatt als ernstzunehmende Hinweise für Entscheidungen und Handlungen. Der Raucher raucht, obwohl er weiß, dass es schlecht für seine Gesundheit ist. Der Übergewichtige isst zu viel, obwohl er weiß, dass es schlecht für seine Gesundheit ist. Der Alkoholiker trinkt, obwohl er weiß, dass …. (du weißt auch? – genau!) Weil sie alle keine adäquate Möglichkeit gefunden haben, ihre emotionalen Bedürfnisse in gesellschaftlich akzeptierter Form zu befriedigen, versuchen sie, diese Bedürfnisse zu unterdrücken oder zu betäuben: mit Zigaretten, Essen, Alkohol oder mit Drogen, Arbeit, Sport, Fernsehen, Shoppen …
Wir sind emotionale Wesen, das ist inzwischen eine wissenschaftlich anerkannte Tatsache. Wenn wir aber keinen Zugang mehr zu unseren Emotionen haben, wenn wir abgestumpft und blockiert sind, dann nützt uns auch der Verstand nichts, der sich von den Emotionen absetzt, um überleben zu können. Wenn das Fühlen blockiert ist, hilft das Denken nicht. Wie Antonio Damasio (durch seine Arbeit mit Patienten, bei denen die Gehirnregionen zur Verarbeitung von Sinneseindrücken geschädigt waren) feststellte: Denken ohne Fühlen führt in endlose Denkschleifen, ein gefühlloser Mensch hat keine Orientierung im Leben! Den Lehren von René Descartes und Immanuel Kant zum Trotz müssen wir uns eingestehen: Menschen, die vernünftige Konzepte von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben, sind deshalb noch längst nicht in der Lage, diese vernünftigen Konzepte in die Realität umzusetzen. Um etwas in unserem Leben zu verändern, reicht es nicht, darüber nachzudenken, wir müssen es spüren!

2. Das Neue am Konzept der 9-Felder-Matrix

Die 9-Felder-Matrix ist eigentlich ein Meta-Konzept. Es vereint eine ganze Reihe von Konzepten, die bisher unvereinbar erschienen. Zum Beispiel Materialismus und Spiritualität, den Gegensatz von Materie und Bewusstsein. Indem wir die Energie als Ausgangspunkt von allem setzen, können wir sowohl Materie als auch Bewusstsein allein durch die energetische Grundfunktion der Pulsation erklären. Materie entsteht als Kontraktion von Energie, Bewusstsein als Expansion von Energie. Letztlich ist alles ein und dasselbe, es erscheint uns nur in anderer Form, weil wir es auf verschiedene Arten wahrnehmen können. So wie uns die Farbe grün als grün erscheint, weil wir als Menschen Augen mit speziellen Farbsinneszellen haben oder wie uns Musik als Musik erscheint, weil wir ein komplexes Hörorgan und Gehirn besitzen, die solches wahrnehmen können, obwohl wir auf einer anderen Ebene wissen, dass Farben „nur“ bestimmte Wellenlängen elektromagnetischer Strahlung sind und Musik Longitudinalwellen bestimmter Frequenz und Stärke sind, so erscheint uns Materie als Materie, wenn wir sie mit den Augen sehen und mit den Händen anfassen, obwohl man in der Astro- und Quantenphysik inzwischen mehrheitlich zu der Überzeugung gekommen ist, dass auch Materie aus Teilchen besteht, deren kleinste Teile letztlich keine Teilchen im eigentlichen Sinne sind, sondern lediglich eindimensionale Energiefädchen, sogenannte Strings.
Doch es geht uns hier gar nicht darum, dass du als Leser die Stringtheorie oder die physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge des Lebens verstehst, sondern dass du begreifst: Alles theoretische Wissen, was wir bisher gesammelt haben, hat nichts gefruchtet und nichts bewirkt, weil wir das Wichtige, nämlich das Lebendige, die Lebensenergie – die Kräfte, die uns eigentlich leben lassen – vernachlässigt haben. Wir haben die Lebensenergie gar nicht im Blick, weil wir durch Erziehung und Kultivierung gelernt haben, unsere lebendigen Impulse im Zaum zu halten, sie zu unterdrücken und zu kontrollieren. Wir sind heute überwiegend gar nicht mehr in der Lage, unsere Emotionen und Gefühle auf natürliche Weise auszudrücken. Diese Zurückhaltung und Kontrolle führt auf Dauer zu Blockaden und Stauungen im Körper und macht uns krank. Einen gesunden Umgang mit unseren körperlichen, psychischen und geistigen Energien müssen wir erst wieder erlernen.
Wir Menschen dachten lange Zeit, wir müssten nur noch schlauer werden und nur noch mehr Wissen ansammeln, damit wir unsere Probleme lösen können. Wir glaubten, wenn wir nur intelligent genug werden würden, dann würden wir uns automatisch vernünftig verhalten, gesund sein und ausreichend Mitgefühl füreinander entwickeln, um gute Beziehungen zu führen, sowohl zwischen Einzelnen als auch zwischen Staaten. Diese Überzeugung hat sich inzwischen als Irrtum erwiesen. Daher war es für das Konzept der 9-Felder-Matrix wichtig, sowohl dem (überbewerteten) Rationalen als auch dem (unterbewerteten) Emotionalen wieder einen angemessenen Platz im Gesamtsystem des menschlichen Lebens zuzuweisen.
Im Konzept der 9-Felder-Matrix werden die energetischen Aspekte des Menschen als so wichtig und grundlegend angesehen, dass sie im Zentrum der Matrix angesiedelt sind: die mittlere Säule und mittlere Ebene der Matrix ergeben das sogenannte Energiekreuz, in deren Mitte das Feld der Emotionen und Gefühle steht. Aus dieser zentralen Position wird unmittelbar ersichtlich, dass das Feld der Emotionen und Gefühle in direkter Wechselwirkung mit allen anderen, umliegenden Feldern steht.
Die energetische Basis des Ganzen fehlt in anderen bisher vorhandenen Konzepten entweder völlig oder wird fehlinterpretiert. Eine ganze Reihe von Konzepten versteht unter Energie die Information oder das Bewusstsein. In der Traditionellen Chinesischen Medizin und einigen taoistischen Lehren wird ebenfalls von Energien gesprochen, jedoch wird Energie auch dort nicht in dem Sinne verstanden, wie wir sie hier verstehen, nämlich im Reichianischen Sinne (Wilhelm Reich war Schüler S. Freuds und Entdecker der Lebensenergie). Lebensenergie ist eine lebendige Kraft, die überall im Hintergrund wirkt, die dazu führt, dass sich das Leben dauernd vervielfältigt. Die nicht nur das erhält, was schon da ist, sondern immer wieder Neues hervorbringt, alle möglichen Varianten ausprobiert. Siehe dazu auch das Kapitel „Was ist Lebensenergie?“.

3. Die energetischen Grundfunktionen und Energiezustände

Das ständige Wirken der Lebensenergie lässt sich auf drei Grundfunktionen zurückführen: Pulsation, Akkumulation und Bewegung. Pulsation bezeichnet den Wechsel, das Schwingen zwischen den Polen, Auf und Ab, Ausdehnen und Zusammenziehen, Kontraktion und Expansion. Akkumulation ist eine Funktion der Ladung. Aufladung und Entladung wechseln ebenfalls einander ab, jedoch können durch Akkumulation auch qualitative Sprünge und damit neue Zustände von Energie entstehen. Energie ist immer in Bewegung, entweder als einfaches Strömen und Fließen oder in Form von Wirbeln und Spiralen. Aus diesen drei Grundfunktionen ergibt sich alle Entwicklung: Ausgangspunkt war und ist die kosmische Urenergie (Energie 0. Ordnung), durch Kontraktion und Expansion entstand daraus die unbelebte Materie mit den dazugehörigen Feldern (Energie 1. Ordnung), durch weitere Einwirkung der Energie auf die unbelebte Materie und ihre Felder entstand die lebende Materie mit den entsprechenden Feldern (Energie 2. Ordnung, besitzt die Fähigkeit, sich zu vermehren) und durch noch weitere Einwirkung aller inzwischen vorhandenen Energieformen untereinander/aufeinander entstand lebende Materie mit Bewusstsein (Energie 3. Ordnung, besitzt die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen).
Diese Entwicklung geht weiter. Sie wird nicht aufhören, aber wir wissen nicht, wie die Energie 4. Ordnung konkret aussehen wird. Wir wissen heute noch nicht, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sich mit ihr entwickeln werden, aufgrund derer wir sie von der Energie 3. Ordnung unterscheiden und abgrenzen können.

4. Die Grundstruktur der 9-Felder-Matrix

Die 9-Felder-Matrix ist ein umfassendes, ganzheitliches Modell für alle Aspekte des menschlichen Lebens. Es beinhaltet 3 Ebenen: Körper, Psyche und Geist. Da wir diese Begriffe in unserem eigenen Sinne verwenden, haben wir unser Verständnis davon im Kapitel „Damit wir uns verstehen“ ausführlich dargelegt.
Die 3 Ebenen werden weiterhin in 3 Säulen unterteilt und dabei jeweils unter energetischen, materiellen und informationellen Aspekten betrachtet. So entsteht ein Quadrat aus 3×3=9 Feldern, in deren Mitte die Energie steht (mittlere Ebene = Psyche, mittlere Säule = energetische Aspekte von Körper, Psyche und Geist). Damit nimmt die Energie in diesem Modell die zentrale Stellung ein, sie ist der Dreh- und Angelpunkt, der Materie und Geist hervorbringt.
Auf diese Weise vereint das Konzept der 9-Felder-Matrix drei grundlegende Weltanschauungen: den wissenschaftlichen Materialismus mit seiner Fokussierung auf die Materie, den Buddhismus mit seiner Konzentration auf das Bewusstsein und taoistische Lehren, die die Lebensenergie in den Vordergrund stellen. Obwohl wir sagen, dass alles aus einer Urenergie hervorgegangen ist, soll im Konzept der 9-Felder-Matrix kein Feld das bestimmende oder wichtigste sein. Alle Felder und damit Lebensbereiche sind gleichberechtigt und gleichermaßen wichtig. Sie stehen alle miteinander in einer wechselseitigen Abhängigkeit und bilden ein System. Ändert sich an einer Stelle im System etwas, hat das immer unmittelbar eine Wirkung auf alle anderen Teile des Systems. Nichts geschieht unabhängig von den anderen Elementen des Systems. Das heißt auch, es gibt keine Dominanz von einem Bereich über einen anderen – wie es in hierarchischen Systemen der Fall ist.

5. Umdenken

Die drei Grundfunktionen der Energie sind auch die Basis für das menschliche Leben. Um das Leben zu verstehen, müssen wir lernen, funktional statt linear zu denken.
Statt alles immer besser, schöner und bequemer haben zu wollen, können wir wieder lernen, die Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu akzeptieren. Diese Gesetzmäßigkeiten sind durch die Grundfunktionen der Energie (Pulsation, Akkumulation, Bewegung) vorgegeben. Leben ist immer in Veränderung. Stillstand bedeutet Tod. Blut und Lymphe müssen fließen, das Herz muss schlagen, die Muskeln müssen bewegt werden usw. Aber nicht nur im Körper finden ständig Bewegung, Pulsation und Akkumulation statt, sondern auch auf der psychischen und geistigen Ebene sind die energetischen Grundfunktionen am Wirken. Sichtbar wird die Pulsation auf der psychischen und geistigen Ebene in der Kontraktion/Konzentration des Bewusstseins (vom SELBST zum ICH: ein Baby wird mit einem SELBST geboren, entwickelt aber erst während der ersten Lebensjahre ein ICH) sowie in der Expansion des Bewusstseins (vom ICH zum SELBST: Erweiterung des ICH als Erwachsene, um einen bewussten Zugang zum All-Bewusstsein zu erlangen). Wenn wir die energetischen Grundfunktionen nicht verstehen, aus Unkenntnis missachten und gegen sie arbeiten, arbeiten wir gegen das Lebendige und damit gegen uns selbst – und als Kultur gegen die Natur. Die Folge: Wir werden krank und tun noch mehr Dinge, die uns und der Welt schaden. Kennen wir jedoch die Funktionsweise des Lebendigen und beginnen wieder, das Leben in uns zu spüren, wird es uns leichter fallen, unser Leben entsprechend dieser Gesetzmäßigkeiten zu gestalten.
Eine der Gesetzmäßigkeiten des Lebens ist, dass es in Rhythmen und Zyklen abläuft. So wie das Wetter mal sonnig und mal regnerisch ist, wird es auch im Leben des Menschen sonnige und stürmische Zeiten geben. Immer nur Sonnenschein ist langweilig. Immer nur glücklich sein kann niemand ertragen. Nach einem kräftigen Regenguss können wir die Sonne viel mehr wertschätzen als nach 3 Wochen brütender Hitze. Nach einer Krankheit erscheint uns die wiedererlangte Gesundheit kostbarer als vorher. Wenn wir das Auf und Ab des Leben als natürliche Gegebenheit erfahren und annehmen können, dann ist es für uns auch kein Drama mehr, wenn es mal nicht so gut läuft oder wir sogenannte Schicksalsschläge erleiden. Auch wenn ein geliebter Mensch stirbt, könnten wir das als Teil eines Zyklus von Werden und Vergehen akzeptieren und müssen nicht mit technischen Mitteln um jeden Tag länger für dieses Leben kämpfen.
Alles im Leben hat seinen eigenen Rhythmus. Der Mensch kann nur gesund sein, wenn er sich den äußeren Rhythmen wie beispielsweise Jahreszeiten oder Tag- und Nachtrhythmus anpasst. Wir versuchen häufig, einen bequemen Gleichgewichtszustand zu erreichen und diesen zu halten. Dazu passen wir unsere Umgebung unseren Wünschen an anstatt andersherum – ohne Rücksicht auf Verluste und bleibende Schäden. Anstatt uns selbst zu bewegen, fahren wir lange bequem sitzend in Auto, Bus oder Bahn, statt frische Waldluft zu atmen, sitzen wir in schlecht gelüfteten, überheizten Räumen. Anstatt das zu essen, was in der Natur wächst, extrahieren wir in einem zeit- und energieaufwändigen Prozess die scheinbar wertvollen Inhaltsstoffe von Pflanzen und Tieren und machen daraus Lifestyle-Produkte, mit denen das menschliche Verdauungssystem schlichtweg überfordert ist. Mit künstlichem Licht und legalen Stimulanzien manipulieren wir unseren Körper und wundern uns, wenn Stoffwechselvorgänge nicht mehr richtig funktionieren, Organe ihren Dienst einstellen oder – wie bei Autoimmunkrankheiten – sich selbst zerstören, wenn wir allergische Reaktionen auf eigentlich harmlose, natürliche Dinge entwickeln oder wenn wir häufig kalte Füße haben und frieren, weil die Wärmeregulation unseres Körpers gestört ist. Wenn wir uns vor Augen halten, was wir tagtäglich tun und wie wir damit das Lebendige in uns immer wieder piesacken, wie wir es hier noch ein bisschen quälen und da malträtieren, hier martern und da peinigen – noch ein Kaffee, noch ein Eis, noch eine Stunde Fernsehen, noch ein Film auf YouTube, eine WhatsApp oder schnell mal getwittert, noch eine Party mit anschließendem Kater, vielleicht sogar noch ein Streit, Unfall, Missgeschick, Vorwürfe, Ängste und diverse andere Ärgernisse… – dann können wir zwar begeistert feststellen, dass wir sehr leidens- und anpassungsfähig sind und eine Menge Belastungen aushalten – aber wollen wir das? Soll so unser Leben aussehen?

6. Lebendigkeit wieder zulassen – Fühlen und Spüren

Als soziale Wesen, die in einer hoch entwickelten Kultur leben, legen wir viel Wert auf Höflichkeit und gutes Benehmen. Das ist auch gut so, aber Anstandsregeln und Gewohnheiten für ein geordnetes Zusammenleben sollten im zweckmäßigen Rahmen bleiben und nicht dazu führen, dass wir unser Verhalten stets und ständig kontrollieren und dabei unsere Spontaneität, Bewegungsfreude und Lebendigkeit einbüßen.
Wer von klein auf dazu angehalten wird, am Tisch stillzusitzen und den Mund zu halten, wenn er nicht gerade gefragt wird, wer oft kritisiert und beschimpft wird, wenn er vor Ärger oder Begeisterung mal etwas lauter und wilder wird, der wird nach und nach Strategien entwickeln, seine impulsive Lebendigkeit zu unterdrücken – sei es durch Ablenkung, Konsum, Arbeit, Sport, Essen, Drogen, Alkohol oder andere Genüsse, die zwar oft zur Sucht führen, jedoch nie ein wirklich geeigneter Ersatz für das sind, was wir uns versagen.
Als Therapeut oder Kursleiter hat man ganz schön zu tun, wenn man seine Klienten und Kursteilnehmer dazu bringen will, sich – auch wenn es nur für wenige Minuten in einem geschützten Raum ist – frei und spontan zu bewegen. In Gruppen machen alle sofort nach, was einer vormacht, aber lautet die Aufforderung „bewege dich so, wie du dich gerade fühlst“, dann bemerken viele erst einmal, dass sie gar nicht wissen, wie sie sich fühlen und da sie noch weniger wissen, wie sie sich entsprechend ihrer momentanen Gefühlslage bewegen müssten, wollen sie immer noch lieber dem Vorturner folgen als riskieren, dass andere ihre Bewegungen linkisch, komisch, eigenartig oder unangemessen finden.
Welcher Erwachsene macht denn hin und wieder vor lauter unbändiger Freude Luft- oder Bocksprünge? Welche Eltern oder Großeltern spielen mit auf dem Spielplatz bei ihren Kindern und Enkeln und sitzen nicht nur gesittet am Rand auf der Bank? Doch es geht nicht nur um Bewegung. Auch Gestik, Mimik, Stimme und Atem kontrollieren wir stark und passen uns dem erwünschten Verhalten an. Wer traut sich noch, seine Lust auszudrücken? Oder seine Wut? Warum wollen wir nicht, dass jemand, der gerade ängstlich oder wütend ist, seine Angst oder Wut offen zeigt? Haben wir Angst vor der Angst und Angst vor der Wut? Wenn wir nicht alle große Säcke voll Emotionen aufgestaut hätten, die wir nie leben durften, dann wäre es nicht gefährlich, diese zu zeigen. Unsere Emotionen hätten dann keine so große Wucht, sondern wären ein angemessener Ausdruck unserer Lebendigkeit. Sie würden kommen und gehen, ohne dass jemand Schaden nimmt. Warum also haben wir uns abgewöhnt, unsere Gefühle zu zeigen? Und welchen Preis zahlen wir dafür?
Unsere zwischenmenschlichen Kontakte sind mehr von Distanz und Zurückhaltung geprägt als von Nähe und vertrauensvollem Aufeinander zugehen. Das führt zu Erstarrung, Lieblosigkeit, Misstrauen, Unverständnis, Schmerz, den wir uns gegenseitig zufügen, Frust und Aggressionen, Leid und Krankheit. Wir müssen wieder lernen zu fühlen und zu spüren, besonders uns selbst. Wir müssen wieder lernen zu vertrauen, zu berühren und uns berühren zu lassen. Nur so können wir zu einem natürlichen Umgang mit unseren Gefühlen finden, lebendiger und gesünder werden und gute Beziehungen miteinander führen – sei es zwischen Ehepartnern, Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern, Vorgesetzten und Mitarbeitern oder zwischen ganzen Staaten und Völkergruppen.

7. Raus aus der Konsumhaltung – rein ins Leben

Viele von uns haben auch im Bereich der Gesundheitsvorsorge, Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung eine Konsumhaltung entwickelt (leider eine kaum vermeidbare Nebenwirkung unserer Leistungsgesellschaft, in der Motivation fast nur noch über Belohnung funktioniert). Sie hören von einer neuen, vielversprechenden Methode, lesen ein Buch darüber, besuchen vielleicht auch noch ein Seminar, aber anstatt tiefer einzusteigen und sich wirklich eingehend damit zu beschäftigen, müssen sie erst noch dieses Buch oder jenen Kurs zu einer anderen Methode anschauen, von der sie gehört haben und denken, sie könnte noch besser sein.
Wer ständig von einem Anbieter zum nächsten läuft und erwartet, dass allein dadurch ein Wunder passiert und alles gut wird, der verhält sich nicht anders als der unmündige Patient, der sich vom Arzt ein Mittelchen für jedes Wehwehchen verschreiben lässt. Beide haben die Verantwortung für ihr Leben an jemand anderen abgegeben, der sie aber gar nicht so genau kennt und deshalb auch nicht wissen kann, was demjenigen wirklich hilft.
Wir selbst haben viele Bücher gelesen, Kurse besucht, Ausbildungen absolviert und Wahrheiten gefunden. Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass jede Theorie, jedes Konzept und jede Methode letztlich nur dann hilfreich und erfolgreich sein kann, wenn zwei Dinge zusammenkommen:

  1. Du gibst deine Konsumhaltung auf und wirst selbst aktiv.
  2. Das Konzept ist zufälligerweise genau auf deine Situation und deine individuelle Persönlichkeitsstruktur zugeschnitten, sodass es exakt bei deinen persönlichen Schwachstellen, Mängeln und Abwehrmechanismen ansetzen kann.

Der erste Punkt liegt immer in deiner Hand. Das ist DEIN Teil, den DU zum Gelingen beitragen musst. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wenn du nicht loslegst und bei der Stange bleibst, wird sich in deinem Leben nichts Grundlegendes ändern. Damit wir uns richtig verstehen: natürlich kannst du dir von anderen Unterstützung holen und Anregungen geben lassen. Aber du darfst die Verantwortung nicht abgeben. Es ist dein Leben und du bist die handelnde Person darin, du gestaltest es, so oder anders.
Beim zweiten Punkt musst du schon großes Glück haben, wenn du zufällig oder auch mit gezielter Suche so ein Konzept findest. In diesem Punkt kann dir jedoch die 9-Felder-Matrix eine große Hilfe sein. Mit ihr hast du die Möglichkeit, sowohl dich als Mensch mit allen deinen persönlichen Eigenheiten zu erkennen und einzuordnen als auch alle vorhandenen Therapieangebote dahingehend einzuordnen und zu verstehen, ob sie dir in deiner speziellen Situation und Prägung nützlich sein können oder nicht. Damit kannst du dir eine ganze Menge Zeit, Aufwand und Enttäuschungen ersparen. Bist du bereit, deine Denkweisen, dein Verhalten und dein Weltbild zu hinterfragen und neue Wege zu gehen?

Denjenigen unter den Lesern, die jetzt sagen: „Aber ich habe mein Leben doch schon umgekrempelt, ich mache doch schon vieles anders und besser, ich kaufe biologisch angebaute und ökologisch nachhaltige Produkte, ich treibe Sport, mache Yoga, gehe in die Sauna, achte auf basische Ernährung, besuche Gesundheitsseminare, ich meditiere, übe mich in Achtsamkeit und entwickle Mitgefühl für andere …“ möchten wir sagen: „Das ist wunderbar! Dann bist du sicher auch glücklich, gesund und zufrieden mit deinem Leben! Doch wenn nicht, dann kannst du mithilfe der 9-Felder-Matrix noch einmal genau hinschauen, was du bisher übersehen hast in deinem Leben und genau dort weitermachen.“

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