Buchausschnitt: Was ist Lebensenergie?

Aus dem Buch „GANZ LEBENDIG SEIN“

Kapitel „Interviews“

Abschnitt „Was ist Lebensenergie?“

A (Astrid Bartels): Was verstehst du unter Lebensenergie?

M (Manfred Dlouhy): Lebensenergie ist eine lebendige Kraft, die überall im Hintergrund wirkt, die dazu führt, dass sich das Leben dauernd vervielfältigt. Die nicht nur das erhält, was schon da ist, sondern immer wieder Neues hervorbringt, alle möglichen Varianten ausprobiert. Nicht Gott hat jede Muschel und jedes Insekt kreiert, hat sich überlegt, heute mache ich doch mal Muscheln, nein, das Leben hat sich dauernd vervielfältigt. Und das ist etwas wahnsinnig Schönes, wenn man heute schaut, was in der Natur für eine Vielfalt da ist.

A: Die Natur hat also einfach ausprobiert? Versuch und Irrtum?

M: Ja, sie bringt einfach alles hervor, was unter den gerade herrschenden Bedingungen möglich ist. Versuch und Irrtum. Aber die Irrtümer sehen wir alle nicht. Die sind vergangen – wie die Dinos. Von denen haben wir zwar noch Reste, deren Knochen können wir noch finden, aber die gibt es nicht mehr. Und auch heute sterben dauernd Arten aus.

A: Weil wir ihnen den Lebensraum wegnehmen.

M: Zum Teil schon, aber auch wenn wir das nicht tun würden, passiert es, dass Arten aussterben. Nicht alle Entwicklungen in der Natur sind stabil, sind lebensfähig. Das zeigt sich mal früher, mal später. Auch der Mensch ist eine aussterbende Art, wenn er nicht noch rechtzeitig das Steuer herumreißt. Das gegenwärtige Wachstum und die Umweltbelastungen können nicht mehr lange so weitergehen, wir zerstören unsere Lebensgrundlage und damit uns selbst. Wir sind so schlau! Wir wissen alles besser!

A: Wir begradigen Flüsse und vergiften Flüsse und Meere … und erst, wenn wir sehen, was das für Katastrophen verursacht, fangen wir an, umzudenken und die Flüsse wieder zu renaturieren und den Müll aus den Meeren zu fischen.

M: Weil wir so verdreht sind und uns auf unseren Verstand so viel einbilden. Vor lauter Schlauheit ruinieren wir den Planeten, der uns aus sich heraus entwickelt hat. Wir sollten kritischer und genauer hinsehen, was richtig und was falsch ist. Wenn wir die Naturkräfte, die uns hervorgebracht haben, ernster nehmen, dann sehen wir, dass wir oft ziemlich falsch liegen mit dem, was wir denken.

A: Also könnte man sagen, Lebensenergie ist die Kraft, die uns Leben lässt und die Veränderung und Weiterentwicklung bewirkt. Wie und wo kann ich diese Kraft sehen oder erkennen?

M: Du kannst sie an ihren Funktionen und deren Auswirkungen erkennen. Alles Lebende pulsiert (kontrahiert und expandiert), ist in Bewegung (Strömen, Fließen, Umverteilung) und unterliegt ständiger Aufladung und Entladung. Außerdem zieht sich alles gegenseitig an oder stößt sich ab. Bei Materie nennen Physiker das Gravitation und Magnetismus, ansonsten kann man das Attraktion oder Attraktivität nennen.

A: Oder Sympathie und Antipathie. Das kann ich mir schon vorstellen, aber die Funktionen sind mir doch etwas zu abstrakt. Kannst du mir ein paar konkrete Beispielen nennen? Ich kenne zwar den Herzschlag, bei dem wir ja sicher aufgrund des Pulsierens von Puls sprechen, aber da hört es bei mir auch schon auf. Wo kann ich die Pulsation und die anderen Funktionen noch finden?

M: Am einfachsten ist es, du schaust dich selbst an und beobachtest deinen Körper: beim Atmen strömt Luft in deine Lungen ein und wieder aus. Das ist Pulsation, das ist Strömen und du kannst dich damit aufladen und entladen. Wenn du dich bewegst, kontrahieren deine Muskeln und entspannen sich wieder. Blut und Lymphe durchströmen deinen ganzen Körper. Aber nicht nur Blut und Lymphe, sondern auch jede Menge Energie strömt durch deinen Körper.

A: So wie in diesem Bild von Alex Grey?

Alex Grey: „Psychic Energy System“

M: In dem Bild können wir ganz verschiedene Ebenen unseres Seins erkennen. Wir sehen die Chakren (Bewusstseins-Wirbel), Energiepunkte und Energiebahnen, aber auch Energiefelder, die außerhalb von uns liegen. Dabei sollen die Energiebahnen nur ein Symbol dafür sein, dass wir von Energie durchdrungen sind. Die Energie strömt nicht ausschließlich auf diesen Bahnen, sondern überall.

A: Kann ich mir das in etwa so vorstellen wie das Wasser in einem Garten, der von Wassergräben durchzogen ist? Das Wasser ist nicht nur in den Gräben, wo man es direkt sieht, sondern überall in der Erde und in den Pflanzen. Die Gräben sind nur besondere Wege, wo sich besonders viel Wasser sammelt und von wo aus es sich verteilen kann.

M: Genau. So ist es mit der Energie und den Energiebahnen, den sogenannten Meridianen. Die Bahnen sind wie die Gräben besondere Wege, auf denen viel Energie transportiert wird. Energie ist aber überall. Beispielsweise kann man das sehr gut erkennen, wenn jemand rot wird, vor lauter Aufregung, weil er sich schämt oder ihm etwas peinlich ist. Dann steigt ihm die Röte ins Gesicht. So wie die Röte aufsteigt, steigt auch die Energie in ihm hoch. Das ist keine nervliche Erregung, sondern ein energetischer Prozess, bei dem die ansteigende Energie durch eine vegetativ veränderte Durchblutung der Zellen sichtbar wird. Wenn man von Energie oder Energiebahnen spricht, ist es wichtig zu wissen und zu verstehen, dass Energie nicht nur entlang der Energiebahnen fließen kann, sondern wirklich überall, durch den ganzen Körper, jede Zelle und zwischen den Zellen – einfach überall.
Übrigens finde ich das Bild großartig, weil es die verschiedenen Ebenen in ein Bild fasst. Das sollte in der Medizin als erstes Bild über den Menschen gezeigt werden. Es zeigt die Komplexität des Menschen sehr eindrucksvoll. Später kann man den Menschen dann aufschlüsseln und sich – wie in der Schulmedizin üblich – auf den materiellen Teil konzentrieren, also auf Knochen und Gefäße, aber wir sollten die Lebensenergie nicht ignorieren oder für Spuk halten.

A: Ich bin kein Mediziner, aber meinst du wirklich, die halten das für Spuk?

M: Nun, wir versuchen hier mit dem Begriff Lebensenergie etwas zu fassen, das zwar in fast allen Kulturen einen Namen hatte, zum Beispiel Qi, Prana, Lung, Mana, Od, Pneuma usw. und dem in diesen Kulturen eine wichtige Rolle zugesprochen wurde, dessen Existenz und Wirken aber von der Naturwissenschaft und Medizin in unserer westlichen Welt noch heute geleugnet wird.

A: Umso wichtiger ist es, dass wir uns für das Phänomen Lebensenergie interessieren. Wenn ich mich so bei den Angeboten der alternativen Medizin umschaue, dann sehe ich schon ganz viel Energiemedizin und Energiearbeit. Das müsste ja eigentlich in deinem Sinne sein, aber du kritisierst nicht nur die ganzheitliche Medizin, die die Bedeutung von Ganzheitlichkeit nicht verstanden hat, sondern auch die Energiemediziner und Energiearbeiter. Warum?

M: Behandlungen wie Reiki und Chakren-Arbeit zeigen auch Wirkungen. Aber nur, wenn jemand das ganze Energiesystem des Menschen verstanden hat, dann macht er sinnvolle Energiearbeit. Dazu muss ein Therapeut erkennen können, ob jemand unterladen oder überladen ist und wo bzw. wie er blockiert ist. Er muss wissen, in welcher Reihenfolge er an den Blockaden arbeiten kann, damit nicht beim Lösen einer Blockade eine andere verstärkt wird. Wenn ein Therapeut einfach nur intuitiv die Hand auflegt und schöne Effekte herbeizaubert, heißt das noch nicht, dass er auch weiß, was das im Gesamtsystem Mensch bewirkt. Aber man schreibt sich Energiemedizin auf die Visitenkarte und das Praxisschild, das klingt gut, dann kommen viele Klienten. Allzu viele Therapeuten haben wirklich keine Ahnung davon, was Energiearbeit ist, sie sind wie Zauberlehrlinge.

A: Das ist schade, denn die Lebensenergie könnte sogar die Verbindung zwischen den vielen Puzzle-Teilen sein, die es uns ermöglicht, das ganze Bild zusammenzusetzen, das große Ganze zu erkennen und zu verstehen.

M: Ja, auf jeden Fall! Welche grundlegende Bedeutung die Lebensenergie hat, sehen wir insbesondere dann, wenn sie blockiert ist. Wenn Lebensenergie nicht mehr frei strömen kann, werden Menschen, Tiere und Pflanzen krank. Dies ist ein fortschreitender, sich langsam entwickelnder Prozess. Anfangs zeigen sich geringfügige Symptome wie Müdigkeit, leichte Schmerzen, Ausschläge oder Verdauungsstörungen. Bei mehreren und stärker werdenden Blockaden führen die Stauungen der Lebensenergie aber früher oder später zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tod oder zur Zerstörung der Umwelt.

A: Ich habe oft gehört, dass jeder Mensch nur eine begrenzte Menge an Lebensenergie zur Verfügung hat, die irgendwann verbraucht ist und dann stirbt er. Stimmt das?

M: Ja, in gewisser Weise hat jedes Lebewesen, jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch eine bestimmte Menge an Lebensenergie. Eine Art Potenzial, das er nutzen oder auch vergeuden kann. Jeder Same und jede Eizelle hat so ein Energiepotenzial. Aber wenn der Samen auf wenig fruchtbaren Boden fällt oder der Mensch unter ungünstigen Bedingungen aufwächst und lebt, dann kann er dieses Potenzial nicht voll ausschöpfen. Jedes Lebewesen durchläuft dabei einen Entwicklungszyklus: am Anfang ist da noch wenig Masse, aber viel Energie. Im Wachstum wird Energie in Masse umgesetzt.

A: Das verstehe ich nicht. Hast du dafür ein Beispiel?

M: Stelle dir einen Säugling vor: der ist noch ganz klein, besteht also aus wenig Materie, hat aber ganz viel Energie.

A: Oh ja, das kommt mir bekannt vor, meine Kinder hatten immer viel mehr Energie als ich.

M: Siehst du! Wenn der Säugling wächst, materialisiert er sozusagen einen Teil seiner Energie. Wenn ein Mensch ausgewachsen ist, sollte er ein ausgeglichenes Verhältnis erreicht haben zwischen seiner Energie und der Materie, die er bewegt.

A: Das ist doch aber nicht bei jedem Menschen gleich. Es gibt auch Menschen, die viel Masse haben und sehr träge sind, also im Verhältnis viel weniger Energie als Masse haben.

M: Ja und auch der umgekehrte Fall tritt auf, dass zum Beispiel Marathonläufer wenig Masse, aber sehr viel Energie besitzen. Aber im Normalfall sollte das Verhältnis ausgeglichen sein, Abweichungen und Ausnahmen von der Regel gibt es immer. Menschen sind nicht genormt, der eine hat weniger und der andere mehr Energie. Das ist so ähnlich wie beim Auto mit den PS. Wenn du ein Auto mit einer Tonne und mit 10 PS hast, dann kannst du mit dem Auto nicht sehr schnell fahren. Hast du aber einen Formel-1-Rennwagen mit weniger als 500 kg, aber 600 PS, dann kannst du mit 350 km/h durch die Gegend brausen. Als Mensch bist du mit etwa 20 Jahren ausgewachsen, das heißt, dein Auto, dein Chassis ist vollendet…

A: Und diese Energie, die ich mit 20 habe, die verbrauche ich dann nach und nach?

M: Nein, die steht dir für etwa 20 weitere Jahre täglich zur Verfügung – abgesehen von einigen Schwankungen durch gute oder widrige Lebensumstände. Danach nimmt deine Lebensenergie langsam wieder ab. Im Alter geschieht der umgekehrte Prozess wie in der Kindheit: die Energie und damit auch die Körpermasse werden wieder abgebaut.

A: Aber in den besten Jahren zwischen Kindheit und Alter kann ich mein volles Energiepotenzial nutzen?

M: Jawoll. Du kannst aus Masse Energie erzeugen, diese Fähigkeit hast du.

A: Woran liegt es dann, wenn sich jemand oft schlapp, schwach, erschöpft, antriebslos oder kraftlos fühlt?

M: Durch unsere heutzutage sehr unnatürliche Lebensweise ist die Lebensenergie vieler Menschen blockiert und damit nicht voll nutzbar. Du hast eigentlich ganz viel Energie, aber sie steckt fest. Du setzt deine Energie ein, um Probleme und Gefühle zu verdrängen, dich zusammenzureißen, perfekt und höflich zu sein, obwohl du eigentlich wütend bist und schimpfen möchtest, du tust Dinge, die dir sinnlos erscheinen, das alles raubt dir deine Lebensenergie. Es gibt jedoch Methoden, um diese Blockaden wieder zu lösen und dein volles Energiepotenzial wieder nutzbar zu machen. Wenn dich das interessiert, kannst du in meinen Kurs „Lebensenergie-Physiologie“ kommen, da lehre ich das. Und dann schreiben wir ein zweites Buch darüber, dann können es auch andere Interessierte lesen.

A: Aber gern doch!

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